DIE GRUPPEN DES SIKURIS

Die Welt des Sikuri ist einzigartig, aber dennoch unterscheiden sich viele Musikgruppen durch musikalische und szenische Besonderheiten. Diese Unterschiede können sich in unterschiedlichen Bauformen und Klangspektren der Instrumente, in der Orchesterzusammensetzung, dem Charakter des jeweiligen Musikstücks oder in den Kostümen der Musiker zeigen.

Die ursprünglichen Gruppen, die eigentlichen Musiker des Sikuri, sind die Träger der musikalischen Wurzeln dieser Kultur. Aus ihrer Motivation kommen die Impulse, die diese Musik und Kultur auch in anderen Zusammenhängen lebendig erhalten. Meist kommen die Musikgruppen aus kleinen, abgelegenen Dörfern, wo das Spielen der Siku-Instrumente immer eine Grundäußerung des Lebens war und diese Kultur daher lebendig blieb. Insofern ergeben sich die musikalisch-kulturellen Unterschiede auch aus lokalen Traditionen, während der Synkretismus (religiös-kulturelle Vermischungspraktiken) wenig mit ihnen anfangen konnte. Deshalb steht diese Musik in der großen traditionellen Gemeinschaft auch nur für die eigene Tradition und für die kleinen Ortschaften und kümmert sich nicht um politische Grenzen, die den Heimatländern des Sikuri später aufgezwungen wurden.

Von den verschiedenen Stilen und Spielweisen lassen sich Hochlandgruppen wie Khantus, mit ihrem religiöszeremoniellen Charakter, die Gruppe Ayarachi aus dem Hochgebirge der Anden-Kordilleren mit ihrer tiefen Melancholie, die ewigen Rebellen Chiriguano, die Taquileño, von einer Insel im Titicaca-See, usw. erwähnen.

Die Gruppen in den großen Städten haben wegen der ambivalenten Lebenswirklichkeit und Kultur ihrer städtischen Umwelt ihren eigenen Charakter entwickelt; Anforderungen und Rhythmus der großen Städte, dazu das Heimweh der Zuwanderer aus den Provinzen und die Sehnsucht der Liebhaber des Sikuri haben zu einem besonderen Mestizo-Stil geführt, der auch Pusamorenos heißt. Auch hier gibt es wieder uhnterschiedlichste Ausprägungen; es gibt eher traditionelle Gruppen, aber auch solche, die ihre Wurzeln eher vernachlässigen. Das Leben der Großstadt führt gewissermaßen durch Unwissen, durch "einfache und schnelle Lösungen" und das motto "Hauptsache neu" zu künstlerischen Verirrungen. Durch diese schädlichen Praktiken nutzen einige Musiker Sikuri als exotisches Element, verspotten es letzlich aber, fördern eigensinnige Ideen von Musik als Eigentum und säen Zwietracht. Dadurch zerstören sie jedoch das Wesen dieser Kultur; sie verstärken damit kaum versteckte Tendenzen, die das Fortbestehen der großen kulturellen Gemeinschaft des Sikuri - wie auch das anderer Schätze unserer alten Kulturen - gefährden.

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